
Tula 1870
- Ascona 1938
Am 29. August 1860 wird die aus einer alten Adelsfamilie stammende
Marianna Wladimirowna Werefkina im russischen Tula geboren. Die
Künstlerin erhält eine anspruchsvolle, an westlichen Maßstäben
orientierte Erziehung und Ausbildung. Dort werden auch die schon früh
erkennbaren künstlerischen Talente des jungen Mädchens gefördert.
Vierzehnjährig, erhält sie den ersten akademischen Zeichenunterricht
durch private Lehrer. 1883 gelangt Werefkin, durch den Kontakt mit der
Familie Repin, zu Illarion Michailowitsch Prjanischnikow, einem
Mitglied der "Peredwischniki" (Wandermaler), bei dem sie ein Studium
beginnt. Werefkin nimmt Privatstunden bei Repin, als die Familie 1886
nach St. Petersburg übersiedelt. Bei einem Jagdunfall durchschießt sie
sich 1888 ihre rechte Hand, die nach langwieriger Heilung verkrüppelt
bleibt. Durch ausdauernde Übungen schafft sie es schließlich, mit Mal-
und Zeichengeräten in der rechten Hand wieder umgehen zu können. In der
realistischen Malerei erreicht sie bald eine Perfektion, die ihr den
Beinamen "russischer Rembrandt" einbringt. Die Malerin lernt 1891
Alexej von Jawlensky kennen. Er übt eine große Faszination auf sie aus
und Werefkin geht mit ihm fünf Jahre später nach München. Werefkin
stellt ihre eigene künstlerische Produktion zurück und initiiert dort
einen Salon, in dem bald ein lebhafter künstlerischer Austausch
stattfindet. Sie gründet außerdem die Lukasbruderschaft, zu der auch
Kandinsky gehört. Bei der Geburt ihres Sohnes im Jahr 1902 erreicht
eine private Krise mit Jawlensky ihren Höhepunkt, so dass Werefkin,
konstitutionell angeschlagen, Erholung in ausgedehnten Reisen nach
Frankreich sucht. Werefkin beginnt 1906 wieder zu malen. Gemeinsam mit
Kandinsky und Münter finden seit deren Entdeckung der pittoresken
Ortschaft Murnau ab 1908 mehrere Arbeitsaufenthalte der beiden Paare
dort statt. Die 'Neue Künstlervereinigung München', der Zusammenschluss
einer neuen Gruppe kündigt sich an. Wassily Kandinsky und Franz Marc
die sich davon distanzieren, rufen den "Blauen Reiter" ins Leben. Auch
Werefkin stellt ab 1913 mit dieser Gruppe gemeinsam aus. Werefkin zieht
1914 mit Jawlensky in die Schweiz. 1919 führt ein weiterer Umzug die
beiden nach Ascona, wo sie der Künstlervereinigung der "Große Bär"
beitritt. Werefkin trennt sich zwei Jahre später von Jawlensky.
Marianne von Werefkin stirbt am 6. Februar 1938 in Ascona.